My jsme ti dobří

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202000_big“Wir sind die Guten”  ist jetzt auch in tschechischer Sprache erhältlich : “My jsme ti dobří – Názory toho, kdo se snaží chápat Putina aneb jak námi média manipulují”.

“Wir sind die Guten” als Taschenbuch

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Der Piper-Verlag veröffentlicht “Wir sind die Guten” im Januar 2016 als preiswertere Taschenbuchausgabe, näheres dazu hier. Für diese Neuausgabe haben wir ein aktuelles Vorwort verfasst, das die öffentlichen (Nicht-)Reaktionen auf unser Buch aufgreift, sowie auch den kontrovers diskutierten Untersuchungsbericht zum Absturz von Flug MH17, der im vergangenen Herbst von den holländischen Ermittlern veröffentlicht wurde. Einige Auszüge aus diesem Vorwort sind hier nachzulesen. Die Autoren möchten sich hiermit noch einmal bei allen Lesern herzlich bedanken, die das Buch durch ihr großes Interesse zu einem solchen Erfolg gemacht haben.

Von lümmelnden Senatoren und anderen Schlampigkeiten

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Die Rezensentin Elisabeth Binder widmet unserem Buch aktuell einen flott geschriebenen Verriss. “Wir sind die Guten” sei “ein journalistisches Projekt, das an seinem Ehrgeiz scheitert”. Zwar lese es sich “sehr flüssig und kurzweilig”, doch das wiege die Fehler nicht auf. So wird bemängelt, das Buch enthalte “relativ wenig Hintergrundmaterial” und insbesondere zu wenige Fußnoten, mit deren Hilfe der Leser sich tiefer mit der komplexen Materie vertraut machen könne. Nun haben die Autoren diesbezüglich noch einmal den Anhang ihres Werkes studiert und finden dort auf 10 Seiten ausgebreitet insgesamt 127 Verweise auf weiterführende Literatur und verwendete Quellen – für die Rezensentin offenbar bei weitem nicht genug Lesestoff.

Zum Inhalt heißt es, dass zwar unsere Medienkritik berechtigt sei, aber, großer Minuspunkt an die Autoren: “Allerdings verlassen sie sich auch hier hauptsächlich auf die Forschungsergebnisse anderer als auf eigene Recherchen.” Das ist natürlich ein großer Makel. Wo kämen wir denn da hin, wenn Journalisten bei Ihrer Medienkritik vor allem die Forschungsergebnisse von anderen Medienwissenschaftlern zitieren – und nicht erst einmal selbst Jahre lang forschen? Wahrlich skandalös.

Aufgefallen ist der Rezensentin auch, dass bei den Leserkommentaren auf unserem Blog “kein einziger negativer Kommentar” zu finden sei, was ihr Misstrauen weckt. “Kann das Zufall sein?”, so fragt sie raunend. Natürlich, diese verdächtigen Putinversteher sind wohl eben doch Agenten Moskaus, die üble Zensur auf ihrem privaten Blog ausüben … Dass von den mittlerweile 150 Leserrezensionen bei Amazon gut 80 Prozent fünf Sterne vergeben haben, ist in dieser Sichtweise wahrscheinlich nur ein weiterer Beleg für Manipulationen …

Zur inhaltlichen Ausrichtung des Buches meint die Rezensentin hellsichtig: “Insgesamt scheint es in vielen der Thesen eine gewisse inhaltliche Nähe und Überlappung zum Gesamtwerk des US-Journalisten William Engdahl zu geben, der aber nur an genau einer Stelle erwähnt wird.” Oh ha, verschweigen da etwa die Journalisten ihren geheimen Einflüsterer? Nun ist Engdahl sicherlich einer der bekannteren Kritiker neoimperialer (US-)Politik, doch tauchen in den erwähnten 127 Fußnoten auch noch Dutzende weiterer Autoren auf, deren Überlegungen uns erwähnenswert schienen.

Die Rezensentin weiter: “Sehr ärgerlich ist, wie die Autoren an einigen Stellen schlampig-tendenziös formulieren, wenn die Argumente etwas zu dünn geraten. Da ‘lümmeln’ Senatoren ‘entspannt in hohen Ledersesseln’ (S. 97), wenn es darum geht die Stimmung im Auswärtigen Ausschuss des US Senats zu beschrieben. An anderer Stelle wird mit unfachmännischem Psychologisieren das Verhalten von einigen US Politikern und Politikberatern zu erklären versucht.”

Na gut, der Kritikpunkt Majestätsbeleidigung sei akzeptiert. Das entspannte Sitzen amerikanischer Millionäre im US-Senat als “Lümmeln” zu bezeichnen, ziemt sich wirklich nicht für den braven Untertan. Und “unfachmännisches Psychologisieren” ist natürlich auch nicht in Ordnung, zumal von Autoren, die nicht einmal einen medizinischen Abschluss haben …

Die Grundidee unseres Buches, so die Rezensentin, sei im Übrigen “schnell erzählt”:

Die USA mit ihrem deklarierten Willen zur “full spectrum dominance” (eine real existierende, aber von Experten als ebenso unrealistisch eingeschätzte, US-Militärdoktrin, ähnlich wie anno dazumal SDI), also zur Unterwerfung der Welt unter ihre militärisch-politisch-wirtschaftliche Kuratel, provozieren eine Destabilisierung der Ukraine als Mittel zum Zweck, um das rohstoffreiche Russland, das unter der starken Hand Putins aus dem Würgegriff der Oligarchen befreit wurde, unter Druck zu setzen und unter den Einfluss der eigenen Machtsphäre zu bringen, um an billige Rohstoffe zu gelangen. Und, wie der Untertitel des Buches andeutet: Die Medien spielen (zu) eifrig mit.

Das ist eigentlich ganz gut zusammengefasst, wie wir finden. Nur der Einschub, die Strategie der Full Spectrum Dominance sei zwar “real existierend, aber von Experten als ebenso unrealistisch eingeschätzt” – die teilen wir nicht. Ganz im Gegenteil, diese Strategie, so befremdlich sie erscheinen mag, wird aktiv und mit großer Verve verfolgt.

Gerne hätten wir uns mit der Rezensentin Elisabeth Binder näher darüber ausgetauscht, doch eine Anfrage nach den Kontaktdaten bei dem Online-Magazin, dass ihren Text veröffentlichte ergab nur die bedauerliche Auskunft, Frau Binder habe die Herausgeber nach Rücksprache gebeten, “ihre E-Mail Adresse nicht weiterzugeben, sondern vertraulich zu behandeln”. Offenbar scheut die Rezensentin einen offenen Austausch der Argumente. Schade.

“Mangelnde Kenntnisse” oder unbequeme Fakten?

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Ganz in der Tradition der Verrisse unseres Buches von FAZ und Tomasz Konicz hat sich nun ein weiterer polnischer Autor zu Wort gemeldet. Thomas Dudek geht es in seiner kürzlich erschienenen Kritik mit der Überschrift “Ihr seid nicht besser!” vor allem darum, vermeintlich “mangelnde Kenntnisse” der Buchautoren aufs Korn zu nehmen. Wir hätten einfach von ukrainischer Geschichte keine Ahnung und würden daher zu ganz falschen Schlussfolgerungen kommen.

Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass dem Kritiker vor allem die amerikakritische Stoßrichtung des Buches nicht gefällt. Er möchte stattdessen viel eher die Sowjetunion bzw. Russland kritisiert sehen. Diese Sichtweise ist natürlich legitim – der kritische Blick vieler Polen auf Russland erscheint historisch gesehen mehr als verständlich. Unangenehm am erwähnten Verriss ist allerdings, dass er stark auf Unterstellungen und, mehr noch, auf verfälschendes Zitieren aus unserem Buch setzt.

Darüber hinaus fällt Thomas Dudek, wie vor ihm schon Tomasz Konicz, in seiner Rezeption unseres ersten Buchkapitels durch einen ausgeschalteten Ironiedetektor auf. Er nimmt die satirisch überspitzte “Putinverehrung” auf der ersten Seite für den eigentlichen Kern des Buches. Dazu hatten wir bereits Herrn Konicz erwidert, dass die Ironie am Anfang unseres Buches natürlich eine Provokation der “Putin-Basher” ist, in dem sie genau das artikuliert, was diese nicht hören wollen und zugleich ihren Gegnern unterstellen: eine hemmungslos unkritische Putin-Verehrung.

Dass wir dieser aber eben gerade nicht anhängen, zeigen unter anderem mehrere Passagen der Einleitung, die sämtliche polnischen (und anderen) Kritiker bislang konsequent überlesen. So benennen wir den Kult um Putin in russischen Medien als eine “selbstreferentielle Herrscherinszenierung” (S. 11), erwähnen auch, dass er “den demokratischen Pluralismus einschränkte” und “das Parlament entmündigte” (S. 13), die “Demokratie in eine ‘Demokratur’ verbog”, “dass er Meinungs- und Pressefreiheit einschränkte”, und “nicht nur das Parlament, sondern auch die Justiz durch eine Machtvertikale von oben” lenkt (ebenfalls S. 13).

An dieser Stelle dürften die Grenzen unserer “Verehrung” oder unseres “Schwärmens” eigentlich hinreichend klar geworden sein. Befragt zu seiner Kritik teilt Dudek uns nun jedoch mit, dass wir zwar tatsächlich einige Defizite des heutigen Russlands erwähnten, doch, so der Autor:

“dies ist meiner Meinung nach nichts anderes als ein Kunstgriff, eine publizistische Schutzmauer, um sich vor Kritik der Putinbegeisterung zu schützen”.

So etwas nennt man dann wohl ein hermetisch abgeschlossenes Feindbild. Alles was bei der Argumentation des Gegners nicht in die eigene Sichtweise passt, kann nur als dessen cleverer “Kunstgriff” zur Verwirrung der Anderen gewertet werden … Dass Autoren eines Buches zu einem komplexen politischen Thema womöglich einfach zu differenzierendem Denken in der Lage sind, und demzufolge auch an der Politik Putins Positives UND Negatives entdecken können – für wahr, welch Überraschung!

Weiterhin unterstellt der Rezensent, dass wir der Ukraine “kein Recht auf Eigenstaatlichkeit” zubilligen würden. Das ist absurd. Was wir in unserem Buch allerdings zeigen, sind die ernormen ideologischen Widersprüche zwischen den Bevölkerungsteilen im Osten und im Westen des Landes, welche die Bildung eines einheitlichen nationalen Narrativs bislang eben enorm erschwerten. Das ist keine Wertung unsererseits sondern ein schlichtes Faktum. Auch wenn der Sprachenstreit zwischen Anhängern des Russischen und des Ukrainischen, darauf weist Dudek zu Recht hin, mehr politisch instrumentalisiert wird, als eine relevante Ursache des Konfliktes zu sein.

Weiter heißt es in der Kritik, es entstehe beim Lesen des Buches der Eindruck, “als ob die Ukrainer einfach nur schon von Kindesbeinen an Faschisten sind. Oder wie es Bröckers und Schreyer schreiben: ‘ein weitgehend ungebrochenes historisches Verhältnis zu Hitlers Faschismus’ haben.”

Hier zitiert der Kollege nun bewusst verfälschend. Denn das Originalzitat spricht eben nicht von “den” Ukrainern, sondern stellt stattdessen die sich verfeindeten Fraktionen im Land einander gegenüber (Seite 33-34):

“Wie aus dieser Dichotomie eine gemeinsame Erzählung der Ukraine als Nation werden kann, wie die ukrainischen Patrioten ihr weitgehend ungebrochenes historisches Verhältnis zu Hitlers Faschismus auf der einen und Stalins Kommunismus auf der anderen Seite aufarbeiten und zu einem gemeinsamen nationalhistorischen Haus zusammenfügen sollen, scheint ein kaum lösbares Dilemma.”

Diese Differenzierung fällt im Zitat des Kritikers aber einfach unter den Tisch. Zum Schluss seines Textes zitiert er dann ein weiteres Mal verfälschend:

“Ansonsten muss man befürchten, dass die beiden Autoren, wenn es um die Nationen in Ostmitteleuropa geht, chauvinistischer sind als die in ihrem Buch mit der NPD verglichene ukrainische Regierung.”

Doch die entsprechende Passage in unserem Buch spielt lediglich ein vergleichendes Gedankenspiel durch, in dem es heißt (Seite 24):

“Nehmen wir einmal folgendes Szenario an: In Deutschland findet ein von einer äußeren Macht geförderter Putsch statt, bei dem die demokratisch gewählte Regierung mit Waffengewalt abgesetzt und durch ein Regime ersetzt wird, in dem die NPD und ihre bewaffneten Kameradschaften einen bedeutenden Einfluss haben.”

Wir haben also nicht die ukrainische Regierung “mit der NPD verglichen”, wie Dudek behauptet, sondern wir haben eine hypothetische Situation beschrieben, in der in Deutschland “die NPD und ihre bewaffneten Kameradschaften einen bedeutenden Einfluss haben”.

Wiederum: Die Differenzierung fällt einfach unter den Tisch. Darauf angesprochen teilt uns der Kritiker nun mit:

“Sorry, aber für mich ist das jetzt nur Scheinheiligkeit. So wie im Einleitungskapitel mit der Aufzählung der Missstände in Russland, oder so wie im Teil über die ukrainische Sprache, wo sie sich hinter Bulgakow verstecken, errichten Sie sich ein Phantasie-Szenario als Schutzmauer, hinter der sie sich erneut verdecken und rufen: aber das ist doch gar nicht so gemeint.”

Irrtum, Herr Kollege! Was wir schreiben ist schon so gemeint, man muss es allerdings genau lesen und eben nicht eigene Anschauungen hineinlesen. Konkret: Bei der in der Ukraine im Februar 2014 an die Macht gelangten Regierung haben militante Rechtsextreme tatsächlich einen “bedeutenden Einfluss”. Das kann man ja nun kaum seriös bestreiten.

Dudek aber fragt:

“Warum entspricht dieses Gedankenspiel der Darstellung vieler ktitischer Autoren über den Maidan, als man ständig an die Verbindungen der Swoboda zu der NPD erinnerte sowie die Rolle des Rechten Sektors?”

Diese Frage transportiert nun eine Arglosigkeit, die angesichts des realen Einflusses militanter rechter Kreise auf die Politik in der Ukraine und im Besonderen auch auf den Maidan, viel über die blinden Flecken im Weltbild manchen Kritikers unseres Buches aussagt. Deren Tenor ist ja immer wieder, wir würden zu einseitig die Rolle der USA im Konflikt kritisieren. Und überhaupt, so schlimm und wichtig seien die Rechten gar nicht. Doch – und diese Frage muss erlaubt sein – wie kommt es dann, dass bis heute so gravierende Massenmorde wie das Blutbad auf dem Maidan, das Massaker in Odessa oder der Abschuss von MH-17 nicht sauber aufgeklärt werden konnten, wenn es doch vermeintlich so glasklar ist, dass Putin respektive der verjagte Janukowitsch oder schlicht “die Pro-Russen” hinter allem stecken? Und warum eigentlich ruft im medialen Mainstream niemand (auch nicht Kollege Dudek) klar und vernehmbar nach Aufklärung dieser Geschichte machenden Morde?

Immerhin gesteht der Kritiker unserem Buch aber auch Positives zu. So schreibt er uns (allerdings nicht in seinem öffentlichen Verriss):

“Ihr Buch hat ja viele richtige Aspekte. Egal ob es um die NGO’s geht oder die berechtigte Kritik an der Berichterstattung der Mainstreammedien. Doch allein mit der Rolle der EU, den Stiftungen der deutschen Parteien, lässt sich die Ukraine-Krise nicht erklären. Selbst wenn die USA, die EU oder die deutschen Parteien doppelt so viel Geld ausgegeben hätten – ohne bestimmte innenpolitische Entwicklungen, die in der Ukraine 2004 mit der Orangenen Revolution, und der Enttäuschung über das, was aus der Orangenen Revolution wurde, ins Rollen kamen, wäre der Euromaidan, bei dem Europa eigentlich höchstens nur in den ersten Tagen im Vordergrund stand, sondern eine bei allen gesellschaftlichen Schichten vorhandene Enttäuschung über die innenpolitische Situation, niemals möglich gewesen. Die Enttäuschung und die Wut der Bevölkerung über das Janukowitsch-Regime streifen sie leider aber nur kurz, um dann sich doch wieder auf die Mächte von außen zu konzentrieren. Also die aus dem Westen.”

Das ist richtig. Denn der Einfluss dieser Mächte wird weiterhin systematisch unterschätzt bzw. klein geredet. Ohne die massive Einmischung des Westens, der die reale Unzufriedenheit in der Bevölkerung eben für seine eigenen Zwecke ausnutzte, und der mit Geld, mit Stiftungen, mit lancierten Politikern etc. Fakten schuf, hätte es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Machtwechsel in der Ukraine im Februar 2014 gegeben. Dieser Umsturz war eben gerade nicht das Werk eines unabhängigen und zivilen Bürgerprotestes. Weiterhin lesenswert bleibt dazu die Analyse “Der verklärte Aufstand” von Stefan Korinth.

FAZ not amused: Volksverhetzung

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Da der FAZ-Artikel, der unser Buch als “rassistische Esoterik” bezeichnet mittlerweile auch online zugänglich ist, können Leser  die Komikerqualitäten des Rezensenten Reinhold Veser selbst nachvollziehen. Dass hinter der schrillen Aufegregtheit das Bellen eines betroffenen Hundes steckt, wird schon in der rhetorischen Eingangsfrage ziemlich deutlich: “Wie nennt man es, wenn jemand über die Sprache eines anderen Volkes schreibt, diese sei eine „Neuerfindung“, die „als Bauernsprache keine Worte für die Tiere hat, die nicht auf Feld und Flur leben“? Volksverhetzung?”  Die “rassistische Esoterik” in der Überschrift war ja schon stark, aber jetzt gleich zum Einstieg auch noch Volksverhetzung, zwar mit vorsichtigem Fragezeichen aber doch deutlich insinuiert. Das ist schon toll. Und wäre auch ein ernstzunehmeder Vorwurf, wenn wir uns das mit der “Bauernsprache” ausgedacht hätten, um gegen das Volk der Ukraine zu hetzen. Aber das haben wir nicht. Vielmehr haben wir uns in dem kurzen Abschnitt zur Geschichte der Ukraine und in dem noch kürzeren über die ukranische Sprache auf einen der bekanntesten Söhne der Stadt Kiew, den weltberühmten Schriftsteller Michail Bulgakow gestützt. Hier ist die Passage:

Der in Kiew aufgewachsene Arzt und Schriftsteller Michail Bulgakow beschrieb diese schreckensreichen Jahre in seinem autobiografisch geprägten Roman “Die weiße Garde”, in dem er aus seiner tiefen Abneigung gegen die roten Revolutionäre keinen Hehl macht, den entstehenden ukrainischen Nationalismus aber noch viel furchtbarer findet, vor allem weil er »die russische Bevölkerung terrorisiert mit einer scheußlichen Sprache, die es gar nicht gibt«. In dieser Neuerfindung liegt für Bulgakow die Wurzel des Nationalismus, und schon in seinem ersten Roman erweist sich der spätere Autor von “Der Meister und Margarita” als der satirische Großmeister der Weltliteratur, wenn er die neue Sprachverwirrung mit beißendem Spott beschreibt:
»Vorgestern fragte ich diese Kanaille Doktor Kurizki, der kann seit November vorigen Jahrs plötzlich kein russisch mehr. Früher Kurizki, jetzt ukrainisch Kuryzky. Ich frage ihn also, wie Kater (russisch Kot) auf ukrainisch heißt, das wußte er noch (Kit), aber als ich ihn fragte, wie der Wal (russisch Kit) heißt, glotzt er mich an und schweigt.«
Die Etablierung des Ukrainischen, das nichts anderes als Russisch mit ein paar abgeleiteten Vokalen ist und als Bauernsprache keine Worte für die Tiere hat, die nicht auf Feld und Flur leben, die Einführung dieses Dialekts als Nationalsprache war für den Wortkünstler Bulgakow nicht ein neuer, patriotischer Anfang, sondern ein Rückschritt in einen beschränkten, bornierten Nationalismus. Fast ein Jahrhundert später ist der von Bulgakow thematisierte Sprachenstreit immer noch hochaktuell: Bei einer Debatte über das von Präsident Janukowitschs »Partei der Regionen« eingebrachte Gesetz, dass Minderheitssprachen in den Regionen als zweite Amtssprachen genutzt werden können, flogen noch 2012 im Kiewer Parlament nicht nur schlagkräftige Argumente, sondern auch die Fäuste. (Seite 35)

Aus diesen Sätzen abzuleiten, dass sich Bröckers und Schreyer der Volksverhetzung schuldig gemacht haben, ist schon irre – und funktioniert auch nur, weil die Quelle Bulgakow einfach unterschlagen wird. Dies aber – das aus dem Zusammenhang gerissene, irreführende  Zitieren – kann nicht mehr mit komischer Verrücktheit entschuldigt werden. Es verletzt nicht nur – einem selbst erklärten Qualitätsblatt wie der FAZ eigentlich unwürdig – grundlegende journalistische Regeln, sondern erfüllt auch den Tatbestand der Demagogie. Tut also selbst genau das, was es den Autoren zu Unrecht vorwirft. Und ist einmal mehr ein Beispiel für den Niedergang des Journalismus, den wir in unserem Buch beklagen.

FAZ not amused: “Rassistische Esoterik”

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Vier Monate nach Erscheinen von “Wir sind die Guten” und knapp zwei Monate nachdem Stefan Niggemeier das Buch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schon einmal als “lesenswert” und “Appell für mehr kritischen Journalismus” gelobt hatte, meldet sich nun die Politikredaktion der FAZ zu Wort. Rezensent Reinhard Veser lieferte in der Printausgabe vom 6. Januar einen Verriss (Überschrift: “Rassistische Esoterik”), der in seinem Eifer und seiner Aufgeregtheit fast schon komisch wirkt – wenn man nicht wüsste, dass ebenjener Reinhard Veser einer der lautstärksten antirussischen Hardliner in der deutschen Presse ist. Seit Beginn des Ukraine-Konflikts zieht Veser mit Verve in Dutzenden von Artikeln und Kommentaren verbal gegen die russische Politik zu Felde.

Offenbar hat er – wohl zu recht – die Medienkritik in unserem Buch persönlich genommen. Artikel wie dieser vom Juli vergangenen Jahres sind jedenfalls kaum als Ruhmesblatt für sauberen Journalismus zu bezeichnen – eher handelt es sich um eben jene einseitige und tendenziöse Berichterstattung, die aktuell dazu geführt hat, dass etwa zwei Drittel der Deutschen der medialen Ukraineberichterstattung insgesamt nicht mehr trauen.

Veser hatte schon im November 2013 gefordert, dass Putin bei Verhandlungen über die Ukraine “keinen Platz am Tisch” haben solle – ganz im Sinne all derer, die eine Eskalation des Konfliktes von Anfang an im Sinn hatten und bis heute weiter vorantreiben.

Die inhaltliche Qualität seines jetzigen Verrisses macht vielleicht folgende Passage deutlich, in der er unsere Amerika-Kritik tadelt und anmerkt: “Dabei versteigen sie (die Autoren) sich zu absurden Verschwörungstheorien, in deren Zentrum der in Washington angesiedelte Thinktank ‘Atlantic Council’ steht. Dieser ist ein in der Tat einflussreiches Diskussionsforum – aber auch nicht mehr.”

Meint Veser. Weitere Belege und Erläuterungen für die Stichhaltigkeit seiner Meinung in dieser Frage enthält der Rezensent allerdings seinen Lesern vor. Das erinnert an das berühmte Diktum von Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung, der vor gut zehn Jahren die Zweifel an 9/11 spürbar genervt mit dem schlichten Satz kommentierte: “Der 11. September war wie er war”. Na gut, dass wir darüber geredet haben …

Derweil lässt das Leserinteresse an “Wir sind die Guten” kaum nach. Das Buch steht mittlerweile seit vier Monaten ununterbochen in den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste. Aktuell haben es bei Amazon 100 Leser rezensiert. 80 von ihnen haben die höchstmögliche Wertung von fünf Sternen vergeben – was die Autoren freut, und den Rezensenten der FAZ wahrscheinlich ungläubig den Kopf schütteln lässt …

Update: Mittlerweile ist der Artikel auch online erreichbar.

 

Menetekel der deutschen Medienlandschaft

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Gunnar Kaiser auf “der intelektuelle blog” über “Wir sind die Guten”:   “Der Titel nimmt die in vielen Kommentaren und Leitartikeln zum Vorschein kommende Selbstwahrnehmung “des Westens” aufs Korn, die anscheinend über jeden Zweifel erhaben ist – zur Not auch auf Kosten eigener Glaubwürdigkeit. Eben diese Selbstwahrnehmung nebst ihren Gründen und Folgen in sachlich-unaufgeregter, bisweilen auch polemischer Weise zu analysieren, ist Broeckers und Schreyer vorbildlich gelungen.Redaktionsschluss für das Buch war Ende Juli 2014. Die Autoren konnten viele spätere Entwicklungen nicht mit einbeziehen, was die Wirkung der Lektüre noch verstärkt – noch immer sind die Geschehnisse um den Absturz von MH17 nicht aufgeklärt, die von Politik und Presse unmittelbar instrumentalisiert wurden (SPIEGEL-Cover: “Stoppt Putin jetzt!”). Auch die Morde der Scharfschützen vom Maidan oder die im Gewerkschaftshaus von Odessa wurden nicht aufgeklärt – dass vonseiten der neuen Machthaber und der Medien daran kein Interesse zu bestehen scheint, sollte zum Nachdenken anregen – ein Nachdenken, dem in der etablierter Presse jedoch auffallend wenig Platz geschenkt wird.”

NDR: Vertrauen in Medien ist gesunken

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Das NDR-Medienmagazin Zapp hat am 17.12. um 23.30 Uhr einen ausführlichen Bericht zum Vertrauensverlust der etablierten Medien gesendet. Zapp befragte dazu auch Besucher unserer Buchpremiere in Berlin und zeigte “Wir sind die Guten” als Beispiel für die aktuelle Medienkritik.

Die Redaktion gab darüber hinaus bei Infratest Dimap eine interessante repräsentative Umfrage in Auftrag. Laut dieser haben 69 Prozent der Deutschen weniger oder gar kein Vertrauen mehr in die Medien. 63 Prozent haben insbesondere wenig oder gar kein Vertrauen in die Ukraine-Berichterstattung deutscher Medien. Die ZAPP-Redaktion schreibt dazu: “Die Antworten auf die Umfrage haben uns in ihrer Eindeutigkeit beeindruckt.”

Und Christian Nitsche, zweiter Chefredakteur der Tagesschau, sagt aktuell:

“Sich abschätzig als ‘Putin-Versteher’ bezeichnen zu lassen, fassen viele nicht mehr als Beleidigung auf. Die Hälfte der Bevölkerung kann mittlerweile nachvollziehen, dass sich Russland vom Westen bedroht sieht – im aktuellen ARD-DeutschlandTrend waren es 51 Prozent der Befragten. Dieser Wert ist seit September um 10 Prozentpunkte gestiegen.”

Faktenlage der Geopolitik

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“Wenn sogar die ›Hamburger Morgenpost‹ sich nahtlos unter die Putin-Hassprediger fügt, bleibt keine andere Wahl, als nach einem informativen Buch zu greifen. Lesen Sie das erste Kapitel, und Sie werden sich wundern über jene nüchterne Logik, die dem Boulevard nicht der Rede wert ist, die in ›seriösen‹ Medien nicht zur Sprache kommt, die jedoch unverzichtbar ist, um die Situation jenseits von Rausch und Stammtisch einzuschätzen,” heißt es in der Rezension des Kulturmaginzs “Titel”, die am Ende zu dem Schluß kommt: “Ein informatives, nüchternes, mutiges Buch, das bereits großen Erfolg beim Publikum hat und nach zwei Monaten nun in der zweiten Auflage ausgeliefert wird. Unbedingt zur Lektüre empfohlen!”

Die Gesetze des Dschungels

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Gerhard Lechner leitet seine  Rezension in der “Wiener Zeitung” mit einem  Zitat aus dem Buch ein:

“Die Herausforderung für die postmoderne Welt besteht darin, sich an doppelte Standards zu gewöhnen. Solange wir unter uns sind, arbeiten wir auf Grundlage von Gesetzen und offener, kooperativer Sicherheit. Aber wenn wir es mit eher altmodischen Staaten außerhalb des postmodernen Kontinents Europas zu tun haben, müssen wir zu den eher raueren Methoden früherer Zeiten zurückkehren – Gewalt, präemptive Attacken, Täuschung, was immer es braucht, um mit denen umzugehen, die noch wie im 19. Jahrhundert jeder in einem Staat für sich leben. Unter uns halten wir uns an die Gesetze, aber wenn wir im Dschungel operieren, müssen wir die Gesetze des Dschungels anwenden.” Das verstörende Zitat stammt nicht aus dem imperialistischen 19. Jahrhundert, es stammt auch nicht aus dem Russland Wladimir Putins. Es wurde im 21. Jahrhundert vom hochrangigen britischen Diplomaten Robert Cooper formuliert. Der ist ein Mitglied des renommierten Think Tanks “European Council on Foreign Relations”, war Berater des britischen Ex-Premiers Tony Blair, der ehemaligen Außenbeauftragten der EU, Catherine Ashton – und ein “maßgeblicher Architekt der EU-Außen- und Sicherheitspolitik”, wie Mathias Bröckers und Paul Schreyer scheiben. Sie führen das Zitat in ihrem Buch “Wir sind die Guten” als Beleg dafür an, dass der Westen auch heute noch eine offensive Machtpolitik wie zu unseligen Zeiten treibt – trotz der stets angeführten Beteuerungen, man trete nur für Demokratie und Menschenrechte ein. (…)

Nach der Lektüre des Buches drängt sich der Eindruck auf, dass die USA den Kalten Krieg nur rhetorisch beendeten und den Zusammenbruch der Sowjetunion als Chance betrachteten, die eigene Einflusssphäre auszudehnen.Die Stärke des Buches von Bröckers und Schreyer liegt darin, dass es jene Themen behandelt, denen in der westlichen, besonders in der deutschsprachigen Presse in der Regel nur wenig bis gar kein Raum gewährt wird – etwa den geopolitischen Plänen der USA, die nach einem alten atlantischen Konzept danach trachten, die Entstehung einer starken Gegenmacht auf dem eurasischen Kontinent mit allen Mitteln zu verhindern. (..) Das packend geschriebene, gut mit Belegen unterfütterte Buch füllt eine Leerstelle, die die westlichen Medien offengelassen haben. 

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